WehrdenerSaarEcho 02/2004
Quelle: WehrdenerSaarEcho 02/2004
Joachim Ickrath brachte Leben ins Meisterhaus
Kunst und Architektur im Einklang: Wehrdener Künstler zeigte Arbeiten der letzten 20 Jahre
Für zwei Monate wurde das Meisterhaus Saarstraße 11 wieder zum Künstlerhaus. Bereits im vergangenen Jahr machte Caroline Armand mit ihrer Auseinandersetzung über den Hüttenarchitekten Hans Großwendt auf das denkmalgeschützte Haus in der Saarpromenade aufmerksam. Diesmal entdeckte der Wehrdener Künstler Joachim Ickrath, der in der Villa Quirin neben der Rosseltalbrücke wohnt, die ehemalige Direktorenvilla am Saarufer.
In der Vernissage machte Joachim Ickrath kein Geheimnis aus seiner Begeisterung für dieses Gebäude. Oberbürgermeister Klaus Lorig und Kulturamtsleiter Karl-Heinz Schäffner schlug er vor, mit einem saarländischen Künstlerhaus für moderne Kunst in Völklingen eine Marktlücke zu besetzen und eine interessante Anlaufstelle im Umfeld des Weltkulturerbes zu schaffen. Ein Besuch der Alten Hütte müsse auch Lust machen, die übrige Stadt zu erkunden.
Außerdem wies Ickrath auf das belebte Saarufer hin. Als Teilnehmer des Dillinger Stahlsymposions, das zu mehreren Stahlplastiken am Saarufer führte, empfahl er auch für Völklingen mehr Kunst im öffentlichen Raum. Sie könne Idendität stiften, die Wahrnehmung und Auseinanderstzung fördern oder einfach nur neugierig machen. Diese Erlebnisse seien gerade in Völklingen sehr wichtig. Daher plädierte der Künstler dafür, Völklingen und Wehrden durch Kunst noch spannender zu machen.
Dieses Ziel hat Joachim Ickrath mit seiner Ausstellung im Meisterhaus Saarstrasse 11 zweifellos erreicht. Hier verschmolzen Architektur und Kunst zu einer stimmungsvollen, aufregenden Einheit.
Dabei war klar, dass die Pionierarbeit der Künstler noch keine Besucherströme in die Saarpromenda locken können, wenn auch mancher Besucher die Ausstellung nutzte, sich neben den Bildern und Rauminstallationen die großbürgerlich dimensionierten Innenräume des überraschend großzügigen Reihenhauses anzuschauen.
Vielleicht wird man sich in einigen Jahren an die Anfänge hier an der Saarpromenade erinnern, wenn weitere ehrgeizige Projekte Wirklichkeit geworden sind. Immerhin wurde der Grundstücksbereich zwischen der Saarpromenade und der Kulturhalle trotz schwieriger Finanzlage ganz bewusst durch die Stadt erworben. Sowohl der städtebauliche Rahmenplan für das Untere Wehrden, als auch das integrative Handlungskonzept zur Sozialen Stadt messen diesem "Scharnierbereich" besondere Bedeutung zu. Einerseits bilden die Meisterhäuser eine eindrucksvolle Kulisse in der Saarpromenade. Aber auch die künftige Nutzung soll das "Leben am Fluss", das hier bereits Realität geworden ist, in idealer Form ergänzen. Hierzu ist in der Häuserzeile Saarstraße 9 - 13 eine größere Gastronomie angedacht, die auch ganze Busse oder Schiffsbesatzungen aufnehmen könnte. Sogar eine Erlebnisgastronomie mit Hausbrauerei könnte man nachdenken.
Auch die Mädchen und Jungs von Kassiopeia, der Schule der Phantasie, besuchten die Ausstellung von Joachim Ickrath. Aufmerksam verfolgten sie seine Erläuterungen der Bilder und Installationen. Nach derart vielen Eindrücken griffen die jungen Besucher selbst zu Zeichenblock und kräftigen Farben und ließen ihrer Phantasie freien Lauf.
Das freistehende Meisterhaus Saarstraße 15, in dem zur Zeit das Stadtteilbüro untergebracht ist, könnte Teil eines Hotels werden, das über das gesamte AVD-Gelände bis zur Kulturhalle reichen würde. Daher wurde schon bei der Planung darauf geachtet, dass das künftige Haus der Bürger und Vereine einen weiteren Zugang in der Straße "Zur Turnhalle" erhält.
Außerdem ist an eine Zusammenarbeit zwischen Hotel und Gastronomie und der Kulturhalle gedacht. Einerseits ist die Halle eine ideale Ergänzung des Hotels für Tagungen und Kongresse. Andererseits wird die Halle über keine eigene Gastronomie verfügen und bietet sich somit für eine Zusammenarbeit mit den umliegenden Gastätten an. Wenn die Kulturhalle Mitte des kommenden Jahres in neuem Glanz erstrahlt, wird diese Strategie sicher noch deutlicher, denn auch das Handlungskonzept zur sozialen Stadt sah von Anfang an vor, die natürliche Attraktivität des Saarufers auch zur Geschäftsbelebung im Unteren Wehrden zu nutzen. Am Wehrdener Platz ist dies bereits Wirklichkeit geworden.
Auch das 3. Völklinger Wirtschaftsforum zeigte deutlich, dass attraktive Gastronnomieangebote im Umfeld der Saar unbedingt erforderlich sind. Dabei weisen Kenner der Szene immer wieder darauf hin, dass heutzutage ein Zapfhahn alleine nicht mehr ausreicht, um Bier zu verkaufen. Vielmehr müssten originelle Angebote entwickelt werden, die interessant sind und Charakter haben. Hier sprechen die Fachleute von einem Profil. Auch daher hätten die Meisterhäuser - neben dem direkt angrenzenden Saarufer, der Schiffsanlegestelle, dem gegenüberleigenden Weltkulturerbe und den 50 öffentlichen Parkplätzen direkt vor der Tür die besten Chancen, den letzen Baustein am neuen Saarufer in Wehrden schließen zu können.
Dabei könnten Künstler wie Joachim Ickrath dazu beitragen, die Meisterhäuser lebendig zu halten und künftigen Gästen eine Geschichte zu vermitteln. Dies hatten auch die Mitglieder der Arbeitsgruppe Städtebau des Stadtteilforums im Kopf, als seinerzeit die Ideeen für den Rahmenplan entwickelt wurden. Schon damals dachte man daran, dass Gerti Jost, eine von Carola Stahl geschaffene Kunstfigur eigentlich in den Meisterhäusern wohnen müsste. Mit Gerti Jost hat die Künstlerin den Völklinger Frauen der Nachkriegszeit ein lebendiges Denkmal gesetzt. Wäre es nicht schön, wenn eine Haustürklingel der Saarstraße einmal zu Gerti Jost führen würde?