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Saarbrücker Zeitung 29.10.2004

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Hängt die Zukunft der Meisterhäuser davon ab, ob bald ein Investor gefunden werden kann? Mit der Zukunft der Meisterhäuser beschäftigt sich der folgende Artikel in der Saarbrücker Zeitung vom 29.10.2004:

Quelle: http://www.sol.de/sz/voelklingen/art2812,1056489.html

Meisterhäuser in Wehrden

  Denkmäler mit Zukunft - aber wann?
Von SZ-Mitarbeiterin Sabine Graf
Die Stadt Völklingen ist immer noch auf der Suche nach einem Investor für die Meisterhäuser in Wehrden. Zurzeit werden sie als Kunstraum auf Zeit genutzt.
Spitzer Giebel, Handwerker-Symbole am Eingang: eins der "Meisterhäuser" in der Saarstraße. Foto: Das Bilderwerk

Völklingen. Es ist und bleibt schwierig, eine Verbindung zwischen Völklinger Innenstadt und dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte zu schaffen - allein schon durch Grundstückverläufe, aktive Industrie und Bahntrasse. Leichter hingegen war es, das Weltkulturerbe zur Wehrdener Seite hin zu öffnen. Dort, auf der anderen Saarseite, gibt es eine Stelle, die ohnehin mit dem Werk verbunden ist. In der Saarstraße 9 bis 15 findet sich die unter Denkmalschutz stehende Häuserzeile. Sie hält einen gewissen Abstand und ist doch nah genug am Werk, damit von dort einer der im Haus lebenden leitenden Angestellten der Hütte schnell zur Stelle war, wenn ein Problem in der Produktion auftauchte. So erinnert sich Völklingens Stadtpressesprecher Uwe Grieger an die einstige Funktion der Meisterhäuser.

Das Bundesprojekt "Soziale Stadt" gab der Stadt Geld in die Hand, um die Brücke über die Saar, die Kulturhalle in der Schaffhauser Straße und die Schiffsanlegestelle herzurichten. Während die Kulturhalle nach Griegers Angaben 2005 fertiggestellt wird, bleibt die Zukunft der "Meisterhäuser" offen: "Wir haben derzeit keinen Investor." Ein solcher ist notwendig, damit die Zeile mit drei Reihenhäusern und einem Einzelhaus der Aufgabe gerecht wird, die im Rahmenplan "Unteres Wehrden" innerhalb des Projektes "Soziale Stadt" festgelegt ist: Tourismus und Kultur weist der Plan dem Areal in der Saarstraße zu. Wobei die ebenfalls geforderten 50 Parkplätze abgehakt sind. So stimmt das notwendige Drumherum, sprich: die Infrastruktur.

Und immerhin ist hier vorhanden, was Saarbrücken derzeit begehrt, sagt Uwe Grieger: "Eine Stadt am Fluss zu sein." Hier fand im Sommer ein Drachenbootrennen statt, Fahrradfahrer und Skater ziehen den Weg neben der Saar entlang. Hier kann auch ein Fahrgastschiff anlegen und mögliche Gäste der Gastronomie bringen, die in den Meisterhäusern ihren Platz haben soll.

Gewiss, Gastronomie ansiedeln könne man überall, meint Stefan Oellerich vom Stadtteilbüro Wehrden; doch erst in Verbindung mit dem Ort und seiner Geschichte entstehe Besonderes. Seit fast drei Jahren hat das Büro in dem Haus Nummer 15 seinen Platz. Ansonsten sei das Interesse an den Häusern groß. Gefragt ist die derzeitige Zwischennutzung als Kunstraum auf Zeit: Joachim Ickrath zeigt derzeit in der Saarstraße 11 seine Arbeiten; vor einem Jahr machte eine Kunst-Studentin das Haus zum Thema ihrer Diplomarbeit. So bleiben die Häuser im Bewusstsein, und Besucher können sie vom Keller bis zum Dach besichtigen. Oellerich denkt darüber nach, ob es eine solche Nutzung auf Dauer geben könnte, "da gibt es Möglichkeiten." Auch die einst in Völklingen von Carola Stahl und Doris Müller nach dem Leben der erfundenen Völklingerin Gerti Jost gestaltete Ausstellung könnte hier, so der Wunsch Stefan Oellerichs, noch mal aufleben.

Das Haus Nummer 11 ist wie seine Nachbarn links und rechts in gutem Zustand; es wird die Zeit überstehen, bis ein Investor kommt. Dass das nicht gleich morgen sein wird, ist für Oellerich und Grieger ausgemacht.

Völklingens Uhr tickt - es eilt

Von SZ-Redakteurin

Doris Döpke

Knapp drei Jahre ist es her, dass die Stadt Völklingen die so genannten Meisterhäuser in der Wehrdener Saarstraße erwarb. Der Kauf der denkmalgeschützten Häuserzeile wurde seinerzeit groß gefeiert. Endlich mal Einigkeit zwischen Politik und Denkmalpflege darüber, dass man gebaute Geschichts-Zeugnisse erhalten und neu nutzen will, jubelten die Denkmalpfleger. Gut erhaltene alte Bausubstanz mit Charme und historischem Flair, in der man stilvoll wohnen könne, die zudem - gastronomisch genutzt - Touristen-Herzen höher schlagen lasse, jubelten die Kommunalpolitiker. Doch solch eine schöne Zukunft für die so genannten Meisterhäuser ist heute noch so weit entfernt wie damals: Denn der nötige Investor fehlt.

So wenig Veränderung, drei volle Jahre lang? Hat die Stadtverwaltung nachdrücklich genug für das bauliche Filetstück am Saarufer geworben? Am Reiz der Häuser besteht kein Zweifel. Wirtschaftliches Potenzial hätten sie wohl auch - wenn, ja, wenn Stadt und Weltkulturerbe endlich enger verzahnt wären. Aber damit tun sich beide Seiten weiter schwer. Und so kann man möglichen Investoren das Abwarten nicht verübeln.

Die Stadt aber, die Häuser können nicht warten. Völklingens Uhr tickt.

Hintergrund

Die so genannten Meisterhäuser in der Saarstraße 9 bis 15 entstanden um 1906 nach Entwürfen des in Diensten der Völklinger Hütte stehenden Architekten Hans Großwendt für leitende Hütten-Angestellte. Nr. 9 und 13 sind bewohnt. Im leer stehenden Haus Nr. 11 gibt's zeitweilig Kunstprojekte. Im Haus Nr. 15 hat das Stadtteilbüro Wehrden seinen Sitz. Seit 2001 steht die Häuserzeile unter Denkmalschutz und gehört der Stadt Völklingen. sg

Created by loesch
Contributors : Sabine Graf, Dories Döpke
Saarbrücker Zeitung
Last modified 29.10.2004 21:22 CEST
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