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Saarbrücker Zeitung 11./12.9.2004

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Über die Ausstellung "edition ickrath 2004" wird in der Saarbrücker Zeitung wie folgt berichtet:

Quelle: www.sol.de/sz/ mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

  Gasometer wird zum Bildobjekt
Von SZ-Mitarbeiterin Sabine Graf
Seit Juli hatte Joachim Ickrath Zeit, seine Werkschau in Völklingen zu inszenieren. Zu sehen ist sie im Alten Meisterhaus an der Saar, wo früher ein Handwerksmeister der Hüttte wohnte. Die Auseinandersetzung mit dem Raum gibt Ickraths Arbeiten den Hintergrund.
Verspieltes in geometrischem Rahmen: Joachim Ickrath füllt für seine Installation "Opferblumen" Blumenreste in aus Pflanzen gepresste Schalen. Fotos: Bilderwerk

Völklingen. Verlockt nicht der Name zum Wortspiel, wenn eine Ausstellung im Alten Meisterhaus am Ufer der Saar, gleich gegenüber dem Weltkulturerbe, ihren Platz findet? Der in Völklingen lebende Maler Joachim Ickrath stellt derzeit im von der Stadt Völklingen erworbenen ehemaligen Meisterhaus seine Malerei, Grafik und Installationen aus. Dass er diese kleine Werkschau in dem ehemaligen Wohnhaus eines Meisters zeigt, der einst sein Handwerk in der Völklinger Hütte ausübte, erweist sich auch hier von Vorteil.

Denkt man an die Präsentation zweier eher dürftiger Diplomarbeiten von zwei Absolventinnen der Hochschule der bildenden Künste Saar im vergangenen Jahr an gleicher Stelle, gilt fast schon als Faustregel: Das Haus und die es umgebende Atmosphäre garantieren bereits, dass eine dort stattfindende Ausstellung gelingt. Besser noch, wenn das dort Gezeigte auch ohne sein Umfeld bestehen kann. Das mag bei Joachim Ickrath der Fall sein, dem es durchaus gelingt, seine die Senkrechte, Waagrechte und die Diagonale nutzenden Wandarbeiten mit dem Haus und seiner Umgebung stimmig zu vereinen. Das liegt auch daran, erzählt er, dass er seit Juli Zeit hatte, hier in den Räumen des Hauses seine Ausstellung zu inszenieren.

Das Ergebnis seiner besonnenen Auseinandersetzung mit dem Raum gibt den ihm vertrauten Themen und Techniken einen Hintergrund: So reihen sich seine ins quadratische Format gefügten Verstrebungen der Linien auf. Den Blick darauf eingerichtet, verändert sich auch die Welt vorm Fenster.

Als Sehhilfe hat Joachim Ickrath mit Klebeband die Fensterscheibe abgeteilt. Auf Waagrechte und Diagonale eingeschworen, wird der Gasometer auf der gegenüberliegenden Saarseite selbst zum Bildobjekt.

Diese Spannung zwischen drinnen und draußen erfüllt die Räume, denen Ickrath Titel wie "Woche der Versöhnung", "Opferblumen" oder "Mahnmal" gegeben hat. Zentral ist dabei jeweils eine Installation. Die strenge Reihung verbindet sich dabei bisweilen mit Verspieltem: Einmal sammeln sich Reste von Opferblumen in der gleichnamigen Installation in aus Blättern gepressten Behältnissen, während in "Woche der Versöhnung" das ansonsten zum Hacken, Schlagen und Stechen vorgesehene Handwerkszeug mit Schnur umwickelt friedlich und stumpf da liegt. "Mahnmal" bringt dabei Fotografien von geschlagenen kreisrunden Baumstümpfen mit diagonal verspannten Stäben zur Rauminstallation zusammen.

Es ist der Hinweis auf den Lauf der Welt, der dem Wechsel von Werden und Vergehen folgt. Das Spielen gehört dazu, worauf das Treppenhaus verweist. Dort hat Joachim Ickrath seine Grafiken platziert, in denen er die auf der Zahl Drei basierende Grundordnung jeweils neu zusammenfügt. Mitnehmen kann, wer will, die ein oder andere Grafik oder Leinwand. Aus diesem Grund hat Joachim Ickrath einen Verkaufsladen eingerichtet, erinnert er. Auch auf eine Textperformance muss im Meisterhaus niemand verzichten. Für die ist Joachim Ickrath bekannt.

Bei der Vernissage gab es eine Bewegung und Text verbindende Aufführung von Joachim Ickrath zusammen mit Vesna Tomicic.

Für die wohlmeinenden Worte zu Werk und Person sorgten dabei gleichermaßen Oberbürgermeister Klaus Lorig und Kulturamtsleiter Karl-Heinz Schäffner. Derart gestärkt, ist's als ob die von Joachim Ickrath rot markierten kleinen Löcher im Bodenbelag herabgefallene Blütenblätter wären. Dann grüßt noch eine Fahne am Haus in farbenfroher Geometrie den Gast freundlich: Was kann schöner sein?

Auf einen Blick

Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten im Alten Meisterhaus Völklingen-Wehrden, Saarstraße 11: Dienstag bis Freitag von 14 bis 19 Uhr. Samstag, Sonntag von 11 bis 15 Uhr sowie nach Vereinbarung:Tel. (06898) 23147. Am Freitag, 15. Oktober, um 20 Uhr Weltmusik-Konzert mit Charly Wintermeyer. sg


Das Alte Meisterhaus in Wehrden gibt der Ausstellung Atmosphäre.

Created by loesch
Contributors : Sabine Graf
Saarbrücker Zeitung
Last modified 14.09.2004 11:18 CEST
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