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Saarbrücker Zeitung 12.10.2004

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In Ihrer Ausgabe vom 12. Oktober berichtet die Saarbrücker Zeitung erneut über die Ausstellung des Völklinger Künstlers Joachim Ickrath.

Quelle: sol.de


Ausstellung Joachim Ickrath in Wehrden
  Die Vernetzung des Kosmos
von sz-mitarbeiter jürgen kück
Im Wehrdener Meisterhaus Nr. 11 arbeitet Joachim Ickrath an der künstlerischen Erschließung der Stadt Völklingen. Seine Inspirationen holt er sich von dem Fluss Saar, der vor seinem Fenster vorbei fließt und aus der indischen Mystik.
  
Joachim Ickrath füllt für seine Installation "Opferblumen" 100 Schalen mit Blüten. Foto: Bilderwerk

Völklingen. Manche Kommunen leisten sich vorübergehend einen so genannten Stadtschreiber. Dieser hat die Aufgabe, den wesentlichen Charakter eines Stadtteils und seine Chancen herauszufinden und zu beschreiben. Er sorgt auf diese Weise für Identität, hat also eine therapeutische Funktion für ein unsicheres Gemeinschaftsgefühl. Der Patient Völklingen, mitten im Strukturwandel und noch ohne Orientierung, hat keinen Stadtschreiber. Dabei könnte der eine mentale Mitte beschreiben, die eine Solidarität aller Bürger entstehen ließe. Doch bisher schreibt hier noch keiner die homogene Stadt herbei.

Immerhin: Völklingen hat zur Zeit einen Stadtkünstler, einen Stadtbildner. Eigentlich sogar zwei: Seit Jahren schon stellt im Luisenthaler Kulturtreff der Maler Horst Reinsdorf die Facetten des Gemeinschaftslebens und Völklinger Ansichten dar. Und nun arbeitet im Westen der Stadt, im Wehrdener Meisterhaus 11 an der Saarpromenade, Reinsdorfs Berufskollege Joachim Ickrath an der künstlerischen Erschließung der Stadt. Bis zum 31. Oktober stellt Ickrath hier auf drei Etagen Werke aus verschiedenen Arbeitsphasen der vergangenen zwanzig Jahre vor, und er hat die Ausstellung gründlich vorbereitet. Gleich schon am Eingang bleiben viele Besucher überrascht stehen. Hinter der dunklen Fassade des geduckten alten Hauses öffnet sich ein helles Interieur mit weitem Foyer.

Es gibt keine Möbel, und Ickrath hat die Wände in hellen Farben gestrichen. Die Exponate an den Wänden bestehen meistens aus kleinen, oft nur kachelgroßen Bildern mit exakt geometrisch angeordneten Linien. Sie kreuzen sich zu einem Netz, und in den Aussparungen variieren die Farben. Sie schillern, gehen waagerecht ineinander über, wiederholen sich diagonal. Der ewige Kreislauf des Lebens, die Vernetzung des Kosmos, dauernder Wandel und mystische Kräfte - das sind Ickraths Themen. Spirituelle Themen. Es geht um das, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Goethe begegnet uns hier später noch einmal.

Mehrere Reisen nach Indien haben den 64-Jährigen nachhaltig geprägt. "Die indische Mystik ist eine Gesamtschau", sagt er leise, "man sieht in allem die Ordnung und die wirkenden Kräfte von Auflösen und Bewahren. Die Seele aber ist immer gleich, sie tut nichts, sie ist nur da." Wir stehen am Fenster, stehen und schauen auf die alte Hütte, die Brücke, die Saar. Was ist fest, was ist fließend? Der sanfte Fluss wird hier immer noch sein, wenn die wuchtigen Anlagen des Weltkulturerbes längst schon zerfallen sind. Das Flimmern der gekräuselten Wellen kehrt auch in Ickraths Bildern wieder, die er oft als Serien malt. Am Fensterglas hat er mit Klebestreifen ein Rechteck markiert, einen Fokus, durch den man wie durch einen Bilderrahmen den riesigen Gasometer oder die Enten auf dem Fluss sehen kann. "Magie ist überall", sagt er, auch Sieben Räume hat der Wehrdener Künstler zu Themenstätten gestaltet, über jeder Tür findet sich eine Überschrift. Neben der "Woche der Versöhnung" und der "Erziehung des Herzens" betreten wir den Raum "Opferblumen": Hier stehen hundert kleine Schalen mit Blütenblättern, die er nach dem Ende der Ausstellung der Saar übergeben wird. Neun Bilder geben reihum die Farben weiter. An verschiedenen Installationen vorbei kommen wir zum nächsten Themenraum. Über der Tür steht ein Zitat aus dem Goethe-Gedicht "Nähe des Geliebten": "Im stillen Haine geh' ich oft zu lauschen, wenn alles schweigt." Das ganze Haus scheint den Worten nachzulauschen. Hier ist Zeit keine Angelegenheit der Uhr, sondern des Flusses. Hören mit den Augen. Sehen mit dem Körper.

Ganz oben, im Giebel, steht ein Tisch, und dort greift Ickrath nach einem halbierten Zirkel, mit dessen Spange er an einem kleinen Lineal entlang mit Acryl Geraden auf die Leinwand zeichnet. Zwischen Pinseln und Farbtöpfen lehnt das Foto eines Yogi. Inspiration, ebenso wie der Ausblick aus dem Fenster.

Auf einen Blick

Die Ausstellung "edition ickrath 2004" im alten Meisterhaus, Saarstraße 11 in Wehrden, ist bis 31. Oktober geöffnet: dienstags bis freitags, 14.30 - 19 Uhr, samstags und sonntags, elf - 15 Uhr. Eintritt frei. Ickrath steht nach telefonischer Vereinbarung zu Verfügung, Tel. (06898) 23147.

Am Freitag, 20 Uhr, gibt es im Meisterhaus ein Konzert mit "Trishakti, Masters of Worldmusic". Eintritt: 8 Euro. kük

Created by loesch
Last modified 13.10.2004 12:02 CEST
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